Trash-Literatur fürs Handgepäck: Moomlatz


oder Wie ich versuchte in Asien meine Unschuld zu verlieren


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Moomlatz ist hebräisch und steht für ‘empfohlen, empfehlenswert’. Mit der Bezeichnung moomlatz ausgewiesene Hotels, Restaurants und Geschäfte sind bei israelischen Touristen besonders beliebt. Warum man diesen Titel aber für die deutsche Übersetzung von Iris Bahrs Dork Whore: My Travels Though Asia as a Twenty-Year-Old Pseudo-Virgin gewählt hat, bleibt etwas schleierhaft. Scheinbar muss das Buch mit einem Qualitäts-Gütesiegel versehen, damit es sich verkaufen lässt.

Iris Bahr, in der New Yorker Bronx aufgewachsen, zog mit 12 Jahren nach Israel, wo sie bis zum Ende ihres Militärdienstes lebte. Wie die meisten Israelis, begab sie sich nach der Entlassung aus dem Tzahal auf eine Reise durch Asien, die zur Grundlage dieses Reiseromans wurde.

Frisch aus der Armee entlassen, beschließt Iris Bahr, nicht mehr Offizieren, sondern allein ihrer Libido zu gehorchen. Denn eines ist klar: Sie hat Nachholbedarf. Fern der Heimat, in Asien, will sie ihre Unschuld verlieren, und was bietet sich da besser an als die Leichtigkeit des Lonely PlanetUniversums? Iris packt ihren Rucksack und wirft sich ins Getümmel – der Beginn eines turbulenten Unternehmens, an dessen Ende sie erkennt, dass es um weit mehr geht als um ihre Entjungferung.

Und schon in der Einleitung diese Reisememoires wird klar, mit Iris Bahr ist (nicht) zu spaßen: »Die folgenden Aufzeichnungen schildern meine Suche nach Sex in Asien«. Quer durch Thailand, Vietnam, Nepal und Indien zieht Iris Bahr auf der Suche nach einem Freier, kämpft gegen Darminfektionen, strandet (fast) in einer opiumverrauchten Waldhütte, überwindet post-pubertäre Naivität, – alles im Namen der Unschuld. Dabei unterscheidet sich Moomlatz von anderen Reisebeschreibungen nicht nur durch die ungewöhnliche Mission. Hier wird über Israelis, Deutsche, Amerikaner, Thais, Inder, Engländer und vor allem Backpacker hergezogen, Klischees auf den Kopf gestellt und in keinem Fall ein Blatt vor dem Mund genommen. Der Roman besticht vor allem durch seine Selbstironie.

Der Roman ist unterhaltsam und erfrischend ehrlich, nur als Reisebeschreibung oder gar Reiseanleitung ist es nicht empfohlen. Als Reiselektüre fürs Handgepäck oder für jeden Rucksacktouristen ist es jedoch moomlatz.

Iris Bahr, Moomlatz oder Wie ich versuchte in Asien meine Unschuld zu verlieren, Frederking & Thaler Verlag, 2007

Comments
4 Responses to “Trash-Literatur fürs Handgepäck: Moomlatz”
  1. Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.

  2. Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich öfter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.

  3. An sich n cooler post, aber kannst beim nächsten mal n bisschen detailierter sein?

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