Bauhaus in Tel Aviv


Die WHITE CITY wird 100 Jahre alt.

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Tel Aviv ist ein Dorado für Architektur-Fans: Was viele nicht wissen ist, dass Israels zweitgrößte Stadt mit ihren knapp 400.000 Einwohnern mit ihren etwa 4000 teils wieder renovierten Gebäuden im Bauhaus– und im internationalen Stil die größte Ansammlung von Häusern in diesem Stil ist. Allerdings sind die meisten in schlechtem Zustand, vor allem die mediterranen Wetterbedingungen und Autoabgasen machen den Fassaden zu schaffen.

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Die “White City” wurde 1909 vor den Toren Jaffas auf Treibsand gegründet. Das junge Land Palästina, das 1948 zu Israel wurde, brauchte Platz für Tausende von Emmigranten, die aus ganz Europa hierher flüchteten, auf der Suche nach einer sicheren Heimat.

Unter den Neuankömmlingen befanden sich viele Architekten und Künstler, die in Deutschland mit den Ideen der Bauhausschule in Kontakt gekommen waren. Arieh Sharon, Shmuel Miestechkin, Shlomo Bernstein, Zeev Rechter, Richard Kauffmann, Dov Karmi oder Genia Averbuch hießen die Schüler. Walter Gropius, Erich Mendelsohn, Mies van der Rohe oder Le Corbusier waren die Lehrer.

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Der neue Architekturstil traf den Nerv der Zeit, denn unter der jüdischen Bevölkerung von “Eretz Israel” herrschte eine Stimmung des Neubeginns. Man wollte eine neue, egalitäre Gesellschaft gründen und das spiegelte sich auch in der Architektur wider: schlichter, praktischer und erschwinglicher, funktionaler Wohnraum für Jedermann. Kaum irgendwo sonst wurde die Leitidee der Bauhausschule form follows function so konsequent umgesetzt wie in Tel Aviv.

Schnell merkte man jedoch, dass klimatische und wirtschaftliche Bedingungen im Nahen Osten anders waren, nicht kühl wie in Deutschland, sondern heiß und feucht. Typische Merkmale des dortigen Bauhaus-Stils sind deshalb Flachdächer, vertikale Lichtleisten über den Treppenhäusern und riesige Balkone, in deren Balustraden horizontale Schlitze eingezogen wurden, damit die Luft besser zirkulieren konnte. Um mehr Wohnraum zu schaffen wurden später die Balkone zugebaut, Tel Aviv wuchs gen Himmel. Heute bildet der Rothschild Boulevard, die Allenby Road und Ditzengoff Road ein dicht begrüntes Wohnareal, das im Zentrum der lebhaften Metropole liegt.

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Lange hat sich in der Stadt niemand für das architektonisches Erbe interessiert. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten besann man sich; Bürgerinitiativen entstanden und Tel Avivs Stadtherren riefen zur Rettung der herunter gekommenen Häuser auf. Schließlich adelte die UNESCO die “Weiße Stadt als ein einzigartiges Phänomen der Geschichte der Modernen Architektur” und setzte die Häuser 2003 auf die Liste des Weltkulturerbes. Geld gab es dafür allerdings nicht – nur Anerkennung. Aber vielleicht verhindert ja genau diese Betitelung den Abriss so manchen Gebäudes. Bauhaus ist wieder ins Bewußtsein der Tel Aviver gerückt und es gilt wieder als schick, hinter einer dieser wundervollen Fassaden zu wohnen. Wer sich es leisten kann.

Comments
One Response to “Bauhaus in Tel Aviv”
  1. Hi, nice post. I have been pondering this issue,so thanks for posting. I’ll likely be subscribing to your site. Keep up the good work

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